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Thor Heyerdahl

(c) Kon-Tiki Museet - link - , CC BY 3.0

Thor Heyerdahl:

Einige wesentliche Daten im Leben dieses berühmten Norwegers erreichen im Jahr 2022 runde oder halbrunde Jubiläen:
- 1947: Vor 75 Jahren überquerte er den Pazifik auf einem Floß aus Balsaholz.
- 1952: Vor 70 Jahren veröffentlichte er sein Buch „American Indians in the Pacific: The Theory behind the Kon-Tiki-Expedition“.
- 1977: Vor 50 Jahren führte ihn eine große Expedition mit dem Schilfboot „Tigris“ von Basra im Irak über den Persischen Golf und den Indischen Ozean nach Dschibuti.
- 2002: Vor 20 Jahren starb er am 18. April.

Geboren wurde Thor Heyerdahl am 6. Oktober 1914 in Larvik. Als Kind soll er recht ängstlich, introvertiert und wasserscheu gewesen sein. Nichts deutete zunächst auf seinen späteren Unternehmergeist hin, mit dem er als Erwachsener spektakuläre Forschungsreisen durchführen sollte. Allerdings übte er sich schon in der Jungend in Geländelauf und wanderte gerne durchs Gebirge, wobei er lernte, in und von der Natur zu überleben.
Nach dem Abitur 1933 studierte er Zoologie und Geographie, heiratete 1936 seine erste Frau, mit der er vorübergehend in Polynesien lebte. Ab 1939 betrieb er Forschungen bei den Bella-Coola-Indianern in Britisch-Kolumbien in Kanada, meldete sich aber noch während des Zweiten Weltkrieges freiwillig bei der norwegischen Luftwaffe und wirkte beim Widerstand gegen die deutsche Besatzung mit.

Ins öffentliche Rampenlicht rückte er damit, dass er, obwohl nicht „vom Fach“, Theorien über Leistungen aufstellte, zu denen bereits frühere „primitive“ Völker fähig gewesen sein sollen. Mit seinen Unternehmungen versuchte er, seine Annahmen in der Praxis zu beweisen.
Nach damals herrschender Meinung war Polynesien nicht von Südamerika, sondern von Asien aus besiedelt worden. 1947 war er mit dem Bau eines Floßes aus Balsa-Holz fertig, mit dem fünf Norweger und ein Schwede in 101 Tagen von Peru nach Polynesien fuhren. Sein packend geschriebener Bericht über diese Unternehmung „Kon-Tiki. Ein Floß treibt über den Pazifik“ wurde in 67 Sprachen übersetzt und verkaufte sich fast 100 Millionen Mal. Die etablierte Wissenschaft versagte ihm aber die offizielle Anerkennung. Der amerikanische Kulturanthropologe Ralph Lipton drückte sich angeblich so aus: „Heyerdahl hat nichts anderes bewiesen als das, was wir schon vorher wussten: Die Norweger sind tüchtige Seeleute.“

Später wollte er zeigen, dass bereits im Alten Ägypten Völker aus dem Norden Afrikas mit den damaligen Schilfbooten durchaus zu einer Atlantiküberquerung imstande gewesen sein konnten. Mit einem 15 Meter langen, 12 Tonnen schweren Boot aus Papyrus, das er nach dem Sonnengott „Ra“ benannte, startete er im Mai 1969 von Safi in Marokko zu seiner Fahrt über den Atlantik nach Westen. Diese erste Fahrt endete jedoch aus verschiedenen Gründen nach 5000 Kilometern und 56 Tagen kurz vor dem Ziel in Barbados. Einen zweiten Versuch startete er im Mai 1970 mit einem Boot etwas anderer Bauart, aber aus dem gleichen Material, der „Ra II“. Mit ihr schaffte es die Mannschaft nach 57 Tagen und 6100 Kilometern ans Ziel.

Weitere Schifffahrten

Nach Studienaufenthalten unter anderem auf Galapagos, am Titicacasee und den Osterinseln gelang Heyerdahl 1970 der zweite große Streich: Er überquerte mit einem Segelschiff aus Papyrus den Atlantik, um zu demonstrieren, dass theoretisch schon die alten Ägypter hätten nach Südamerika gelangen können. Dieses Mal reiste Heyerdahl sogar unter der Flagge der Vereinten Nationen – begleitet von sieben Männern aus verschiedenen Kulturen.
„Ich möchte gerne beweisen, dass es möglich wäre, dass viele Menschen zusammenleben. Ich hatte an Bord Jude und Moslem und Katholik und Hindu, Buddhist und Atheist. Und wir hatten nicht dieselbe Idee, aber immer freundliche Diskussionen. Und es war immer interessant.“
Aber hatten die frühen Kulturen Südamerikas ihren Ursprung wirklich im alten Ägypten, wie Heyerdahl mutmaßte – unter anderem aufgrund der Ähnlichkeit der Pyramiden und einer vergleichbaren Hieroglyphenschrift?
Nikolai Grube: „Für mich verbirgt sich dahinter auch ein gewisser Ethnozentrismus, der den indigenen Völkern Amerikas unterstellt, dass sie nicht in der Lage gewesen seien, eigenständig eine hohe Kultur zu entwickeln, eine Schrift zu entwickeln, Kalendersysteme und Städte hervorzubringen.“
Eine dritte große Expedition führte Heyerdahl 1977 mit dem Schilfboot „Tigris“ vom Irak über den Persischen Golf und den Indischen Ozean nach Dschibuti in Ostafrika. Der Erkenntnisgewinn seiner abenteuerlichen Expeditionen bleibt bis heute umstritten. Aber allmählich verlagerte sich auch sein eigenes Interesse: Aus dem Völkerkundler wurde der Umweltschützer, der seinen prominenten Namen nutzte, um auf die zunehmende Verschmutzung der Ozeane aufmerksam zu machen.

Vielfach preisgekrönt und mit elf Ehrendoktortiteln ausgezeichnet, blieb Heyerdahl bis ins hohe Alter aktiv, bevor er am 18. April 2002 in seinem Haus in Ligurien einem Hirntumor erlag.