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Bremen, den 12.November 2020

Erinnerungen am Gedenkstein nach 300 Jahren:

Der norwegisch-dänische Seeheld Peter Wessel Tordenskiold stirbt in Gleidingen bei Hannover.

Aus diesem Anlass gab es zum Todestag eine kleine Veranstaltung am Gedenkstein mit kurzen Ansprachen des Laatzener Bürgermeisters Jürgen Köhne, der Ortsbürgermeisterin Silke Rehmert, dem Vorsitzenden der Deutsch-Norwegischen Freundschaftsgesellschaft (DNF)

Prof. Dr. Peter von Rüden und Bernd Fitze-Frank, DNF-Vorstandsmitglied und Leiter der DNF-Regionalgruppe Hannover.

Wer war dieser Tordenskiold, dessen Konterfei Streichholzschachteln und Briefmarken ziert und dessen Statue im Hafen von Oslo steht? Als Peter Jansen Wessel wird er 1690 im norwegischen Trondheim als 10. Kind eines Ratsherrn geboren. Er verlässt die Stadt auf einem Schiff in Richtung Kopenhagen, der Hauptstadt der dänisch-norwegischen Monarchie. Dort macht er Karriere in der königlichen Marine:
1711 wird er mit 21 Jahren Leutnant und schon kurz danach bekommt er sein erstes Kommando auf einer Schaluppe, einem kleinen, kutterähnlichen Boot.

Wie die Herzogtümer Bremen und Verden Teil des Kurfürstentums Hannover wurden

Dänemark-Norwegen befindet sich mal wieder im Krieg mit seinem Nachbarn Schweden. Der große Nordische Krieg, wie er in späteren Geschichtsbüchern genannt wird, tobt seit 1700 in ganz Nordeuropa. 1711, als unser Seeheld Tordenskiold seine ersten Feindberührungen entlang der schwedischen Küste hatte, ist Schwedens König Karl XII nach einem verlorenen Feldzug gegen Russland im Exil im Osmanischen Reich. Der große Krieg war zu einem Kleinkrieg geworden. Schweden bangt um seine deutschen Territorien, die Herzogtümer Bremen und Verden um Wismar, Strahlsund und Pommern. Noch heißt der junge Mann Peter Wessel, er kommandiert ab 1712 eine Fregatte mit 20 Kanonen und soll auf der Ostsee die Verbindungen zwischen Schweden und seinen deutschen Besitzungen unterbrechen. Dabei erwirbt er sich den Ruf eines wagemutigen Draufgängers, sein Lohn, die Beförderung zum Kapitän durch den norwegisch-dänischen König Friedrich IV. Als Schwedenkönig Karl XII 1715 aus der Türkei zurück in Schweden ist, beginnt die letzte, heiße Phase des Kriegs im norwegisch-schwedischen Grenzgebiet bei Halden und Fredrikstad. Unter dem Kommando von Peter Wessel wird 1716 die schwedische Versorgungsflotte während der Belagerung der norwegischen Festung Frederikshald vernichtet und ein Jahr später große Teile der schwedischen Flotte vor Göteborg. Karl XII stirbt 1718 vor Frederikshald, der Krieg ist beendet. Die Zeit, in der die Ostsee ein schwedisches Meer war, ist vorbei. Russland ist Großmacht, St. Petersburg gegründet, dänische Truppen ziehen in die Herzogtümer Verden und Bremen ein. Der dänisch-norwegische König ist wieder unangefochten Herzog von Schleswig und Holstein, aber auch Kurhannover, in der letzten Kriegsphase Verbündeter der Allianz gegen Schweden, gehört zu den Siegern. Als 1714 der Kurfürst von Hannover als Georg I König von England und Schottland wird, verlangt er auch ein Stück aus der Kriegsbeute. Bereits 1715 werden die Herzogtümer Bremen und Verden Teil des Kurfürstentums Hannover. Tordenskiolds Siege waren auch ein Beitrag in dieser historischen Entwicklung.

Empfang durch den Kurfürsten und König in Hannover: Duell und Tod in Gleidingen

Der Bürgersohn aus dem norwegischen Trondheim, ist mittlerweile der geadelte, dänische Vizeadmiral Tordenskiold (deutsch: Donnerschild) geworden. Nach dem Friedensschluss im Jahr 1720 lässt sich der erst 30-Jährige beurlauben und erreicht im November 1720 auf seinen Reisen den Hof in Hannover. Der König von Großbritannien und Kurfürst Georg I von Hannover, der zurzeit in Deutschland ist, empfängt Tordenskiold -eine Ehre für den jungen Seehelden. Am Hof trifft er auf den schwedischen Oberst Jakob Axel Stael, der soll ein berüchtigter Spieler gewesen sein. Tordenskiold, alias Peter Wessel, beschuldigt den Schweden, beim Kartenspiel betrogen zu haben. Stael fordert Tordenskiold zum Duell, das aber nicht in Hannover ausgetragen werden kann. Duelle sind dort schon verboten. Nicht so im benachbarten Bistum Hildesheim, dort in Gleidingen soll das Duell stattfinden. Pistole oder Degen? Tordenskiold wählt die Pistole. Als er erfährt, sein Gegner sei bereits abgereist, er solle aber pro forma zum Duellplatz kommen, trifft er ohne seine Pistole auf den schwedischen Oberst. Die Pistolen fehlen und so wird das Duell mit der Klinge ausgetragen. Ein Langschwert von Stael gegen eine Übungswaffe, ein Rapier, von Tordenskiold, so soll es gewesen sein. Stael trifft bereits im ersten Durchgang die rechte Seite seines Gegners, die Klinge tritt am Rücken wieder aus. In den Armen seines Kammerdieners verblutet der Norweger. Ob es ein Komplott war, um Tordenskiold zu töten, konnte nicht geklärt werden.

Peter Wessel Tordenskiold: Ein Geschichtsmythos

Die historische Person wurde in den 300 Jahren seit seinem Tode zu einem Geschichtsmythos, zu einem dänischen Seehelden, der den schwedischen Erzfeind besiegte, zu einem tapferen Norweger, der als Beleg dafür gilt, dass viele berühmte Dänen eigentlich Norweger waren. Seit 1961 erinnert in Gleidingen, heute ein Ortsteil von Laatzen, ein Gedenkstein an einen Helden, den geschichtsbewusste Norweger und Dänen gleichermaßen verehren können.
Eigentlich sollte nun am 12.November in Gleidingen zum 300. Todestag ein großes Gedenkfest mit Delegationen aus Norwegen und Dänemark stattfinden. Wegen der aktuellen Corona Entwicklung war das nicht möglich. Aber Laatzens Bürgermeister, Jürgen Köhne , die Gleidinger Ortsbürgermeisterin, Silke Rehmert, der Vorsitzende der Deutsch-Norwegischen Freundschaftsgesellschaft (DNF), Prof. Dr. Peter von Rüden und der Leiter der DNF-Regionalgruppe Hannover, Bernd Fitze-Frank, erinnern zum Todestag im Laatzener Ortsteil Gleidingen an Peter Wessel. Bernd Fitze Frank: „Es ist sehr schade, dass in Corona-Zeiten unsere norwegischen Freunde hier nicht stehen können. Wir versuchen sie zu vertreten“. Peter von Rüden erinnerte an ein anderes Jubiläum des Jahres 2020: „Für Todenskiold war es normal, den Hof des Kurfürstentums Hannover zu besuchen, die Verbindungen von Skandinavien zu den deutschen Territorien waren eng. Das galt ununterbrochen bis zu der Nacht vom 8. auf den 9. April 1940, dem deutschen Überfall auf Norwegen und Dänemark vor 80 Jahren. Die über Jahrhunderte gewachsenen kulturellen Verbindungen brachen ab. Aus dem Nachbarn im Süden war der Feind geworden. Die Entwicklung seit 1945 hat Wunden geheilt. Die kulturellen Bande sind wieder eng und freundschaftlich. Wir stehen hier auch, weil wir wissen, dass in Europa ein Krieg um die Vorherrschaft im Norden Europas heute mit schwedischer, dänischer, norwegischer und deutscher Beteiligung nicht mehr denkbar ist und Duelle auch im Bistum Hildesheim mittlerweile verboten sind.“

Pressekontakt:

Stadt Laatzen, Matthias Brinkmann, Tel.:0511 8205-9921, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
DNF, Prof. Dr. Peter von Rüden, Tel.: 0421-98506923 oder 04721-6998050, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Pressemeldung als PDF hier