100 Trinks Leben im Eis

Hauke Trinks ist Professor für Naturwissenschaften und verbringt zu Forschungszwecken ein gutes Jahr vollständig allein in einer abgelegenen Bucht auf Spitzbergen. Sein Tagebuch dieser Zeit beginnt mit den Vorbereitungen und Überlegungen, mit penibler Aufzählung aller benötigten Utensilien für diese lange Zeit in der Arktis. Außer den Dingen fürs Überleben nimmt er noch wissenschaftliche Geräte für seine Untersuchungen mit. Der Leser wird auf sympathische Weise in seine Überlegungen einbezogen, man fiebert regelrecht mit.

Am 18.Mai 1999 beginnt dann seine Reise gen Norden. Sein Segelschiff „Mesuf“ bringt ihn von Hamburg ausgehend, die Norwegische Küste hinauf bis nach Tromsø. Dort nimmt er zwei Schlittenhunde an Bord. Diese werden in den nächsten Monaten seine einzigen Gefährten sein. Seine Aufzeichnungen beschreiben genau alle Schwierigkeiten dieser Reise. So muss er sich zunächst mit den Hunden vertraut machen, ihnen beweisen, dass er „der Herr im Haus“ ist, zugleich aber auch deren bester Freund werden. Die Hunde werden seine besten Beschützer gegen die Eisbären und in den langen dunklen Monaten der Polarnacht sind sie es, die Hauke Trinks davor bewahren in Depression zu verfallen, die ständig seine Kräfte mobilisieren. Hauke Trinks lässt sein Schiff in der Bucht von Mushamna einfrieren. Das Schiff ist sein Haus, seine Vorratskammer und sein Forschungslabor. Sein Tagebuch gibt genaue Einblicke in den täglichen Kampf ums Überleben, seine Erlebnisse mit Eisbären und die Tricks, mit welchen er sich dieser wunderbaren Tiere entledigt, ohne auch nur einen einzigen erschießen zu müssen. Der Leser erlebt mit, wie die Lebensmittelvorräte knapp werden und die Hundehaferflocken das Frühstück bereichern müssen, er wird mitgenommen zu Ausflügen ins Innere der Insel, auch zu einem Ausflug nach Grohuk zu der Hütte von Christiane Ritter, er darf die Eindrücke von einsamen Tauchgängen im Eismeer teilen und nimmt an den Überlegungen des Wissenschaftlers teil, darf seine Begeisterung teilen über die Schönheit der Unterwasserwelt und natürlich auch der wunderbaren Naturphänomene in dieser unerbittlichen Natur. Der Naturwissenschaftler genießt die Ruhe und Abgeschiedenheit von der hektischen Welt, besinnt sich auf das Wesentliche des Lebens, aber er vermisst natürlich auch seine Familie und überhaupt die Nähe anderer Menschen, all dies teilt er durch sein Tagebuch mit dem Leser. Zum guten Schluss gibt es noch einen Überblick über den Stand seiner Forschungsergebnisse, aber nicht hoch wissenschaftlich, sondern durchaus verständlich für den interessierten Normalbürger.

Das Buch ist spannend bis zur letzten Zeile, jedes Wort spiegelt die Liebe zur Natur, aber auch absoluten Respekt vor den Unwägbarkeiten der Arktis.

Hauke Trinks
Leben im Eis
Tagebuch einer Forschungsreise in die Polarnacht.
Frederking & Thaler, München 2004/2009, 272 Seiten
ISBN 978 3 492 40232 3
Preis: 11,00 €