100 Nesser Elf Tage in Berlin

Arne Murberg ist wirklich kein Held! Allein, mit äußerst spärlichen Deutschkenntnissen ausgestattet, soll er in Berlin einen Auftrag ausführen. In kindlicher Naivität vertraut er den Menschen, welchen er begegnet. Er glaubt, was sie ihm sagen und wird in eine unglaubliche Geschichte verstrickt, welche ihn (fast) zum Helden werden lässt!

Durch einen Unfall im Kindesalter hat Arnes Geistesgegenwart gelitten. Er hat Mühe, größere Zusammenhänge zu durchschauen, oft fehlen ihm die richtigen Worte, aber er ist sich seiner geringeren Fähigkeiten durchaus bewusst. Als ihm sein Vater auf dem Sterbebett anvertraut, seine tot geglaubte Mutter lebe in Berlin, und er solle ihr ein Kästchen überbringen mit unbekanntem Inhalt, macht er sich sofort an die Vorbereitungen. Mit seinem Onkel lernt er Deutsch, was ihm aber durch seine Denkschwierigkeiten sehr schwer fällt. Ausgestattet mit Bargeld, einem Handy, einem Stadtplan und vielen Ermahnungen kommt er in Berlin an und lernt eine lebendige, große Stadt kennen. Durchaus geistesgegenwärtig prägt er sich als erstes die Straßen rings um sein Hotel ein. Er sucht Restaurants in welchen er deutsches Essen und deutsches Bier kennen lernt, verbringt viel Zeit im Tiergarten und sucht natürlich die Adresse auf, wo seine Mutter wohnen soll. Trotz seiner geringen Deutschkenntnisse findet er Menschen, die ihm weiter helfen. Unter anderem einen verrückten Professor, der ihn für seine eigenen Zwecke benutzen will, und die liebenswerte Beate, ein Mädchen im Rollstuhl, welches Schwedisch spricht und im wahrsten Sinne des Wortes eine „Seeleverwandte“ ist. Arnes Leben nimmt durch die Begegnung mit Beate eine unerwartete Wendung…

Dieser Roman ist eine wunderbare Geschichte, in der Gegenwart mit Vergangenheit fast philosophisch verwoben wird. Håkan Nesser beschreibt seine Romanfiguren auf solche liebenswerte Art und Weise, dass man als Leser mit ihnen fühlt oder leidet. Absolut empfehlenswert!

Håkan Nesser, geb. 1950, ist einer der beliebtesten Schriftsteller Schwedens. Seine Bücher wurden vielfach ausgezeichnet und in viele Sprachen übersetzt. Siehe an dieser Stelle auch die Rezensionen zu: „Mensch ohne Hund“, „Das zweite Leben des Herrn Roos“, „Die Einsamen“, und „Am Abend des Mordes“ und „Der Himmel über London“.

Rezension: Angelika Steinhäuser

Håkan Nesser
Elf Tage in Berlin
Aus dem Schwedischen von Paul Berf
Titel des schwedischen Originals: „Elva dagar i Berlin“
Btb Verlag in der Verlagsgruppe Random House München 2015, 381 Seiten
ISBN 978 3 442 75493 9
Preis: € 18,00