100 Ramqvist Die weiße Stadt

Karin lebt in einem schönen Sommerhaus, idyllisch an einem See gelegen. Ihre kleine Tochter Dream ist wenige Monate alt, und bisher hat sie sich auf der Sonnenseite des Lebens gewähnt. Aber nun ist ihr Ehemann tot und der Gerichtsvollzieher steht unverhofft in der Tür und will ihr Haus pfänden…

Was tut eine Frau in dieser Situation?

Karin überlegt. Sie weiß: ihre kleine Tochter, die sie eigentlich nicht wollte, die aber jetzt da ist und ihr nun die letzte Kraft abverlangt, braucht sie. Sie hat ja sonst niemanden. Zu ihrer Mutter will sie nicht gehen. Aber da waren ja noch die Freunde, die zu Lebzeiten ihres Mannes immer da waren. Und da muss es noch Geld geben, das ihr eigentlich zusteht! So macht sie sich auf den Weg: erst zu einer guten Freundin, dann zu einem langjährigen Freund ihres Mannes. Und sie muss feststellen: es ist ein himmelweiter Unterschied, ob du als schöne, umworbene Frau eines erfolgreichen Mannes auftrittst, oder als junge, nicht mehr begehrenswerte Mutter mit Geldsorgen. Jedoch: aufgeben geht nicht! Und so heckt sie einen teuflischen Plan aus…

Dieser Roman lebt von der sprachlich sehr gelungenen und ausdrucksstarken Gedankenwelt Karins. Es kommen nur wenige handelnde Personen sonst vor, trotzdem gelingt es der Autorin, eine Spannung aufzubauen, der man sich nicht entziehen kann.

Karolina Ramquist, geb. 1976, wohnhaft in Stockholm, ist eine der einflussreichsten femenistischen Autorinnen der jüngeren Generation Schwedens. In ihren Büchern setzt sie sich mit den verschiedenen gesellschaftlichen Aspekten, wie z.B.: Konsum, Einsamkeit und Rollenmodellen auseinander.

Rezension: Angelika Steinhäuser

Karolina Ramquist
Die weiße Stadt
Aus dem Schwedischen von Antje Rāvic Strubel
Originaltitel: „Den vita staden“
Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2016, 184 Seiten
ISBN 978 3 550 08133 0
Preis: 18,00 Euro